Unsere Pferde werden ganzjährig im Offenstall gehalten und sind dadurch freundlich und ausgeglichen.
Unter Offenstallhaltung versteht man eine Haltung von Pferdegruppen in einem Kaltstall, von dem aus ein angeschlossener Auslauf frei zugänglich ist. Die Pferde können nach Belieben ein und aus gehen, sich die Beine verstreten, mit Herdengenossen spielen oder die trockene, geschützte Ruhefläche im Stall aufsuchen, um sich hinzulegen.
Mit einer solchen Haltung kommt der Mensch den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes so weit entgegen, wie es unter heutigen Lebensbedingungen möglich ist. Das Pferd wird heute als Freizeitpartner geschätzt und genutzt und zu diesem Zweck gehalten. Im eng besiedelten Deutschland stehen zum einen selten riesige Ganzjahreskoppeln zur Verfügung, auf denen Pferde artgerecht gehalten werden könnten, zum anderen will der Mensch auf sein Reittier auch den nötigen Zugriff haben. Die Offenstallhaltung ist der Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Pferdes und den Ansprüchen des Menschen. Was dem Tier nun noch an Bewegung in seinem doch begrenzten Auslauf feht, das muß der Mensch durch vielseitige Arbeit mit dem Tier ausgleichen.
Leider ist die Boxenhaltung noch immer die gängigste Art der Pferdehaltung. Dies hat zum einen praktische Gründe wie etwa die größere Bequemlichkeit für den Reiter, die leichte Unterbringung vieler Pferde auf wenig Fläche, sowie effektive Arbeitstechniken. Nachhaltiger sind jedoch die oft unbewussten Verknüpfungen: Die Box galt über Jahrzehnte als die pferdefreundlichste Haltungsform schlechthin, die den Pferden Bewegungsfläche und Schutz bot. Klar machen muß man sich heute, daß die Box tatsächlich nur die üble Haltung in Ständern abgelöst hat und daß die wirklichen Bedürnisse von Pferden bei Reitern kaum bekannt waren, sondern menschliche Vorstellungen von Schutzräumen und Wärme übertragen wurden.
Pferde unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen extrem vom Menschen. In unseren Breiten sterben sie auf Grund ungeeigneter Haltung seit Jahrhunderten an Krankheiten, die in der Natur kaum vorkommen. Dämpfigkeit durch miserable Stallluft, Schäden an Knochen und Gliedmaßen durch Bewegungsmangel, Koliken durch falsches Futter und nicht zuletzt der Weg zum Schlachthof wegen Bösartigkeit sind typische Gründe, Pferde zu verlieren.
Unter natürlichen Bedingungen wandern Pferde den ganzen Tag, von Ruhepausen abgesehen, langsam herum, schnelle Sprints erfolgen nach Belieben und Temperament. Auf diese Weise bleiben sie beweglich, angelaufene Beine kommen ebenso wenig vor wie Steifheiten nach langem Stehen oder Zerrungen durch Kaltstarts.
In der Box ist der Bewegungsraum eingeschränkt, vor allem aber ist kaum ein Bewegungsanreiz gegeben. Im Gruppen-Offenstall sind die Pferde in steter Bewegung durch Ausweichen, neugieriges Herumwandern oder Spielen; für weitere Anreize kann der Mensch sorgen. Pferde sind im Auslauf ständigen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Sie gewöhnen sich nicht nur an allerlei Treiben, vor dem Stallpferde in Pankik ausbrechen, sondern können auch merkbar besser kombinieren und verstehen als Pferde, die einen großen Teil des Tages auf Wände starren und vor Langeweile nicht selten krank oder verhaltensgestört werden.
Die Herde selbst bietet Sicherheit, Beschäftigung und Ausgleich. Hier finden Pferde Freunde und bekommen auch gelegentlich die Leviten gelesen, was ihnen das Unterordnen unter ihren Menschen ebenfalls erleichtert.
Pferdepflege im Offenstall
Ein Offenstallpferd ist nicht notwendigerweise ein ungepflegter Zottelbär mit verklebtem Fell. Im Gegenteil: Langes Fell, das nach dem Schwitzen zusammenklebt, erfüllt seine wärmende und Wasser abweisende Funktion nicht mehr. Wie lange das Winterfell wird und wie dicht das Deckhaar ist, hängt vom Pferdetyp ab. Jedoch wird bei allen Rassen das Fell dicht und warm genug, um ihnen ein Leben im Offenstall zu ermöglichen, immer vorausgesetzt, der Stall bietet bei nasshalter Witterung Zuflucht und Raum für alle Herdenmitglieder.
Immer hängt der Putzaufwand von der Bodenbeschaffenheit des Auslaufs ab. Pferde, die in sauberen Ausläufen mit Böden aus Holzhackschnitzeln stehen, sind nicht wesentlich aufwendiger zu pflegen als Boxenpferde.
Auch wenn nicht geritten werden soll, muß das Fell seiner wärmenden und Wasser abweisenden Funktion gerecht werden können! Das Fellwachstum ist beeinflussbar. Wird im herbst besonders minerallstoff- und vitaminreich zugefüttert und läßt man keinerlei Energiedefizt aufkommen, so wird das Fell wesentlich kürzer bleiben als bei einem Pferd, das sich auf Grund verringerter Futterzufuhr auf einen "Hungerwinter" einrichtet. Trotzdem wird das kürzere Fell sehr dicht und wärmend. Pferdefell isoliert so gut, daß man nach feuchten Schneefällen nicht selten eine Schnee- oder Eisschicht auf dem Pferderücken beobachten kann, die tagelang liegen bleibt. Das Fell ist außen kalt, hält innen aber die Wärme.