Das Shire Horse im Herdenverband
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Hengst Conner mit seinen Stuten |
Shire Horse im Herdenverband
Dieser Artikel beschreibt unsere eigene Pferdehaltung und die Erfahrungen, die wir mit unseren Herden bisher gemacht haben.
Wie viele bestimmt wissen, leben unsere Pferde im Herdenverband.
Es besteht anscheinend viel Interesse an dieser Art der Pferdehaltung, die man auch Robusthaltung nennt, denn es gibt sehr viele Anfragen, wie denn dies und das funktioniert und gerne schreiben wir hiermit dazu einen Artikel.
In unseren Herden leben Stuten, tragende Stuten, Stuten mit Fohlen und jeweils ein Hengst.
Es gibt noch eine Jungpferdeherde in welcher alle Jungpferde und Absetzer bis zur Geschlechtsreife miteinander laufen. Danach (ca. 2 jährig), werden sie getrennt in Jungstuten und Junghengsteherden (frühreife Hengste kommen dementsprechend früher in eine Junghengstherde) um Unfälle, wie zu frühe und ungewollte Deckackte zu vermeiden.
Das Zusammenleben von Pferden verschiedenen Alters im Herdenverband hat viele Vorteile.
Die Stuten zeigen völlig instinktsicheres Verhalten, Fohlen können miteinander spielen, werden von den älteren Pferden mit erzogen, was ihnen die spätere Unterordnung beim Menschen leichter macht. Sogenannte Tyrannen gibt es in einer funktionierenden Herde gar nicht.
Die Leitstute ist gerecht und beansprucht in der Hirachie lediglich den ihr zustehenden Respekt der anderen Herdenmitglieder. Sie darf zuerst Wasser trinken und fressen, ihr Fohlen natürlich auch, alle anderen Pferde folgen ihr, denn sie bestimmt wohin es geht. Um den vorwitzigen Herdenmitgliedern und zu Größenwahn neigenden Fohlen ihren Status mal wieder deutlich klar zu machen, reicht ab und an das anlegen der Ohren und ein giftiger Blick in Richtung "Frechdachse" völlig.
Der Hengst ist sozusagen das Pferd für alles. Er kümmert sich um die Sicherheit der Herde und überlässt die Führung der Leitstute. Er spielt mit den Fohlen, albert mit ihnen rum, lässt sich viel von den Kleinen gefallen und hat ein wachsames Auge auf Eindringlinge, ohne diese anzugreifen. Er erträgt die Launen der Stuten souverän, ohne dabei seinen Stolz zu verlieren. Er kann das Verhalten seiner Stuten genau einschätzen und ist schlau genug, sich vor Zickerei zu schützen, indem er einfach gelassen auf Abstand geht, ohne die Herde dabei aus den Augen zu lassen.
Niemals bespringt ein erfahrener Hengst der schon immer im Herdenverband lebt eine tragende oder nicht rossende Stute. Er belästigt sie in keiner Weise. Ebenso hält er sich bei Geburten fern. Er stört die Stute nicht dabei und die engeren Freundinnen der Gebärenden, würden ihn auch gar nicht an das Geburtgeschehen lassen. Sie schirmen ihre Freundin und werdende Mama ab, indem sie sich Halbkreisförmig davor stellen und jeden Angiften der zu nahe kommt und ihrer Meinung nach, nichts dabei zu suchen hat.
Es ist äußerst spannend zu sehen, wie Pferde sich in der Herde verhalten, wenn sie die Möglichkeit haben nach ihren natürlichen Instinkten zu leben.
Voraussetzung für diese Haltung ist in erster Linie genügend Weideland und vor allem ein Hengst, der von klein auf im Herdenverband lebte.
Ältere Hengste, mit null Erfahrung im Zusammenleben mit Stuten und Fohlen, sind meist nicht für diese Haltung geeignet. Sie können die Sprache der Stuten nicht deuten und bekommen Tritte ab, im schlimmsten Fall aber verletzen sie in ihrer ständigen Aufgeregtheit Stuten oder gar Fohlen.
Ein guter Hengst bedrängt weder Stuten noch Fohlen, er nimmt seine Aufgabe die Herde zu sichern gerne an und verhält sich ruhig und entspannt. Das bespringen von Stuten findet ausschließlich dann statt, wenn eine Stute rosst und von selbst dazu bereit ist. Das zeigt sie deutlich, indem sie anfängt ihm ständig hinterher zugehen und seine Nähe sucht, während er tatsächlich so tut, als würde er lieber grasen als Flirten.
In der Anfangszeit der Rosse reagiert er überhaupt nicht auf die Annäherungsversuche einer Stute. Die Stuten sind zu diesem Zeitpunkt nämlich nur teils bereit. Sie bieten sich zwar schon an, zicken aber trotzdem noch rum wenn er zu nahe kommen sollte und ein erfahrener Hengst lässt das nicht mit sich machen. Die Gefahr von der hübschen Zicke, die leider noch nicht weiß was sie wirklich will, getreten zu werden ist ihm anscheinend zu hoch. Diesen Stress tut er sich nicht an, immerhin benötigt er seine Energie ja später noch.
Erst wenn der richtige Zeitpunkt da ist und die Stute weiß was sie will, was der Hengst übrigens absolut genau einschätzen kann, zeigt auch er Interesse an ihr. Erfahrene Hengste sind so geschickt, dass es zu keinen Verletzungen kommt. Hengste die schon immer im Herdenverband leben, wissen ihr Temperament zu zügeln und es wird weder Gebissen noch lautstark und stürmisch vorgegangen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie leise und ruhig das vor sich geht.
Fohlen die im Herdenverband aufwachsen, fühlen sich in ihrer Familie sicher und können ihre Kindheit so richtig genießen. Sie spielen miteinander, nerven die Tanten, galoppieren der wiehernden Mama davon, sind frech und auch manchmal ziemlich schwer erziehbar, was die Mamas oftmals mit einem einfachen Trick wieder in den Griff bekommen.
Ist ein Fohlen trotz mehrfacher Ermahnung der besorgten Mama, was sich in einem nervösen, kurzen und hohen wiehern zeigt, zu weit von der Herde weg und bekommt es dann plötzlich doch das große Flattern, dann antwortet die strenge Mutter einfach nicht mehr auf das rufen ihres Schützlings und bleibt in der Herde. Das Fohlen wird sichtlich nervös, ruft weiter, aber keine Antwort. Mama guckt nur unauffällig, ohne den Kopf zu heben, während sie so tut als würde sie nichts hören und gemütlich grasen. Schnell kommt das Fohlen wieder angerannt und stößt den Kopf erstmal bockig in die Leisten der Mama, bevor es dann schnell und erleichtert trinkt. Puh, nochmal alles gut gegangen!
Echte Gluckenmamas hingegen, sind manchmal den ganzen Tag damit beschäftig dem abenteuerlustigen Nachwuchs hinterher zu laufen. Es ist erstaunlich wie schnell Fohlen lernen und vor allem, wie neugierig sie sind. Wie bei den Menschen hat jedes Fohlen einen anderen Charakter. Es gibt Draufgänger und Muskelprotze, freche aber auch sehr zurückhaltente Fohlen, anhängliche und besonders neugierige Pferdchen und auch ganz schön dreiste Racker, die bereits in den ersten Lebenstagen treten, wenn man ihnen Nachts eine Decke anlegen möchte. Dann gibt es die kleinen Fellmonster, die immer gekrault werden möchten. Am liebsten am Hintern, den sie einem dann, wenn man erstmal damit angefangen hat, bei jedem Besuch auf der Weide hinhalten. Lustig wird es dann, wenn sie schon fast erwachsen sind und den Rückwärtsgang einlegen, um einem mit dem Hintergestell auf die Pelle zu rücken, nur um sich ihre "Kraulen" abzuholen. Man kann sich die Gesichter der Menschen vorstellen, die das nicht wissen, wenn plötzlich ein riesen Hintern im näher kommt...
Gut eingespielte Herden ständig auseinander zu reißen ist ein NO GO. Das ständige Umstellen bringt Stress und Unruhe in die Herde und auch Trauer. Oftmals sind befreundete Stuten völlig aus dem Häuschen wenn sie getrennt werden, die gesamte Herdenstruktur muss bei jeder Umstellung neu formiert werden, was man wenn möglich vermeiden sollte. Es reicht wenn man junge Stuten die noch nicht belegt werden dürfen aus der Herde nehmen muss oder eben die Absetzer umstellt.
Gefüttert werden unsere Pferde mit einem großen Futterwagen Marke Eigenkonstruktion, der an allen 4 Seiten eine breite Rinne hat (ein der Länge nach Durchgeschnittenes großes Rohr), aus welcher alle zusammen und von allen vier Seiten friedlich fressen. Die Jungpferdeherden fressen aus einer Futterrinne.die von zwei Seiten Platz bietet und die mit mehreren Holzständern versehen wurde.
Eine Futterraufe mit Heu steht auch während der Weidesaison ständig zur Verfügung.
Salz und Minerallecksteine natürlich auch und immer frisches Wasser, das in einer großen Wanne bereitsteht.
Jede Weide hat ein großes Stück Wald mit eingezäunt, den sie gerade im Sommer in der Mittagszeit gerne aufsuchen. Es ist schön kühl und dunkel und schützt vor Insekten.
Auf mehreren Weiden steht ein fester und ziemlich großer Unterstand, den sie zusätzlich nutzen könnten, wenn sie wollten, was bisher aber noch nicht geschah.
Wir haben mit dieser Art der Pferdehaltung bisher gute Erfahrungen gemacht und wir denken dass es den natürlichen Haltungsbedingungen der Pferde am nächsten kommt, wenn sie zusammen leben und laufen, kommunizieren und spielen und vor allem den ganzen Tag in der freien Natur sein können.
Das ist unsere Meinung und unsere Erfahrungswerte sprechen für diese Haltung, aber wir erheben keinen Anspruch auf absolute Zustimmung von Pferdehaltern, die es vielleicht anders sehen oder keine Möglichkeit haben ihr Pferd oder ihren Hengst so zu halten. Im Endeffekt versucht jeder verantwortungsbewusste Pferdemensch und Liebhaber, es nach seiner eigenen Auffassung und Sichtweise und den Gegebenheiten, so gut wie möglich zu machen und das muss man einfach akzeptieren und tolerieren.
Hauptsache ist doch, dass egal wie ein Pferd gehalten wird, der Besitzer sich bestens darum kümmert und den Bedürfnissen dieser einzigartigen Tiere so gut wie nur möglich nachkommt.
Elisabeth Stanzer
Fairytale Shire